Endometriose Behandlung

Frauengesundheit Jun 2022

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Ein Überblick über die Erkrankung, neueste Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten (Teil 1)

Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen, unter denen Frauen im gebärfähigen Alter leiden können. Frauen mit Endometriose leiden oft unter starken Schmerzen, wie chronischen Unterleibs- oder Beckenschmerzen, schmerzhafter Menstruation, schmerzhaftem Geschlechtsverkehr und schmerzhaftem Wasserlassen. Endometriose kann zu systemischen Entzündungen, Stimmungsstörungen und Unfruchtbarkeit führen, was eine eingeschränkte Lebensqualität zur Folge hat.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Frauen, die an Endometriose leiden? Und gibt es Fortschritte bei der Suche nach natürlichen Alternativen? In dieser Blogserie (3 Teile) gehen wir der Sache auf den Grund und erforschen die neuesten Erkenntnisse über die Wirkungsweise der Endometriose und die Therapiemöglichkeiten.

Im ersten Teil werden wir uns auf die Fakten zur Endometriose und die konventionellen Therapiemöglichkeiten konzentrieren. Im zweiten untersuchen wir den Wirkmechanismus der Endometriose und die Rolle des Endocannabinoid-Systems als neues Therapieziel. Schließlich werden wir im dritten Teil die alternativen Therapiemöglichkeiten für Endometriose vorstellen.
Wir möchten mit unserem FemMag eine Plattform zum Erfahrungsaustausch bieten. Wenn du oder deine Lieben an Endometriose leiden, teile gerne deine Erfahrungen und Therapietipps mit anderen Betroffenen.

Was versteht man unter Endometriose und wer ist betroffen?

Bevor wir auf die Behandlungsmöglichkeiten eingehen, fragst du dich vielleicht, was Endometriose eigentlich ist? Endometriose ist eine schmerzhafte gynäkologische Erkrankung, die Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter betrifft und jeden Aspekt ihres Lebens stark beeinträchtigt. Endometriose wird klassischerweise als eine chronische gynäkologische Erkrankung definiert, die durch endometriumähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter gekennzeichnet ist und von der man annimmt, dass sie durch eine retrograde Menstruation entsteht. Diese Beschreibung ist jedoch veraltet und spiegelt nicht mehr das wahre Ausmaß und die Erscheinungsformen der Krankheit wider.

Lange Zeit wurde fälschlicherweise angenommen, dass Endometriose in erster Linie eine Erkrankung des Unterleibs ist, aber in den letzten 15 Jahren hat die Forschung die systematischen Folgen dokumentiert, unter denen Frauen leiden können. So beeinflusst die Endometriose beispielsweise auch den Leberstoffwechsel, führt zu systemischen Entzündungen und verändert die Genexpression im Gehirn, was zu Schmerzsensibilisierung und Stimmungsstörungen führt. Die vollen Auswirkungen der Krankheit sind noch nicht vollständig erkannt und gehen weit über den Unterleib hinaus. Deshalb wird die Endometriose heute als Systemerkrankung betrachtet.

Endometriose ist eine häufige gynäkologische Erkrankung und betrifft weltweit etwa 10 % der Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter, was einer Gesamtzahl von etwa 190 Millionen entspricht. Außerdem wird Endometriose bei 50-80% der Frauen mit starken Unterleibsschmerzen und bei bis zu 50% der Frauen, die unter Unfruchtbarkeit leiden, beobachtet. Leider gibt es aus Deutschland keine verlässlichen Zahlen zur Prävalenz und Inzidenz der Endometriose – die Angaben zur Behandlungsprävalenz schwanken zwischen 0,8 und 2 %.

Welche Auswirkungen und Folgen hat die Erkrankung?

Trotz der weiten Verbreitung der Endometriose wird die Krankheit nicht gut genug erkannt. Die Diagnosezeiten liegen zwischen 4 und 11 Jahren und Gynäkologen und Allgemeinmediziner stellen bei 65 % der Frauen zunächst eine Fehldiagnose. Außerdem berichten Frauen oft, dass die Symptome, die sie erleben, von der Gesellschaft unangemessen normalisiert werden. Dies ist vor allem auf den allgemeinen Mangel an Wissen über das Thema zurückzuführen und unterstreicht erneut die Notwendigkeit, die geschlechtsspezifische Data Gap zu schließen.

Endometriose hat einen starken Einfluss auf die Lebensqualität von Frauen und beeinträchtigt ihre Arbeit, ihre Freizeit sowie ihre sozialen- und Liebesbeziehungen. Zu den negativen Auswirkungen der Endometriose-Symptome gehören Unfruchtbarkeit, sexuelle Schwierigkeiten und chronische Schmerzen. Immer mehr Forschungsergebnisse belegen, dass die endometriosebedingten chronischen Schmerzen die Hauptursache für die negativen Auswirkungen der Krankheit auf verschiedene Lebensbereiche sind.

Zusätzlich dazu beeinträchtigt die Endometriose die Produktivität und die Erwerbstätigkeit von Frauen erheblich. Laut der Global Burden of Disease Study (1990-2017) verursachte Endometriose weltweit 4,1 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre (DALYs) und damit mehr als ein Drittel der DALYs aller gynäkologischen Erkrankungen zusammen (11,9 Millionen). Symptome wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und starke Blutungen führen zu Fehlzeiten oder der Unfähigkeit, lange zu arbeiten. Daher sollte die wirtschaftliche Belastung durch Endometriose nicht unterschätzt werden, sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft, da diese Krankheit zu einem Produktivitätsverlust am Arbeitsplatz und einem hohen Verbrauch an Gesundheitsressourcen führt. Die nationalen Kosten der Endometriose wurden im Jahr 2003 auf 1,96 Milliarden Euro geschätzt. Mit Kosten von fast 2 Milliarden Euro ist die Endometriose ein Krankheitsbild, das aus wirtschaftlicher Sicht nicht vernachlässigt werden darf.

Heutige Therapiemöglichkeiten im Überblick

Derzeit bieten Gesundheitsdienstleister verschiedene Behandlungsmöglichkeiten an, um mit Endometriose assoziierte Schmerzen zu lindern, z. B. eine Hormontherapie, Schmerzmittel und sogar chirurgische Behandlungen. Welche Optionen für eine Frau realistisch sind, hängt jedoch von ihrem Alter, der Schwere ihrer Symptome und ihrer Entscheidung, ob sie Kinder haben möchte, ab. Herkömmliche Medikamente (NSAIDs und Hormonbehandlungen) sind nur begrenzt wirksam und haben problematische Nebenwirkungen mit Abbruchraten von 25-50%.

Die Hormontherapie

Da die Endometriose östrogenabhängig ist, zielen hormonelle Behandlungen hauptsächlich darauf ab, die Östrogenproduktion der Eierstöcke zu verringern. Zu den derzeit gängigsten pharmakologischen Ansätzen für die Hormontherapie gehören Progestogen, Progestin und Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Analoga. Obwohl diese Hormontherapien etablierte Methoden zur Behandlung der Endometriose sind, fehlt es an validen Daten, um ihre Wirksamkeit, die Linderung der Symptome, die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls auf lange Sicht zu beurteilen. Außerdem sind Hormontherapien zur Behandlung von Endometriose aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen oft nicht für eine langfristige Anwendung geeignet.

Schmerzmedikation

Zusätzlich zur Hormonbehandlung werden häufig Entzündungshemmer aka. nicht-steroidale Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen eingesetzt, um leichtere Schmerzsymptome zu behandeln. Die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse reichen jedoch nicht aus, um diese Anwendung zu unterstützen, und NSAIDs sollten nicht langfristig eingesetzt werden, da sie unangenehme Nebenwirkungen verursachen können.

Operative Eingriffe

Die Forschung zeigt, dass einige chirurgische Behandlungen die mit Endometriose verbundenen Schmerzen lindern können. Daher können Gesundheitsdienstleister eine Operation vorschlagen, um starke Schmerzen zu behandeln. Während der Operation kann der Chirurg die Endometriosebereiche lokalisieren und die Endometrioseflecken entfernen, wenn er dies für notwendig hält. Diese chirurgischen Behandlungen sind jedoch mit einer hohen Rückfallquote (Rezidivrate) von bis zu 50 % innerhalb von fünf Jahren nach der Operation verbunden, so dass eine Operation keine garantierte Langzeitlösung darstellt.

Frauen mit Endometriose berichten, dass nicht-steroidale Antirheumatika (NSAIDs) und Hormonpräparate nur begrenzt wirksam sind und problematische Nebenwirkungen haben, die zu Abbruchquoten zwischen 25 und 50 % führen. Es scheint also, dass die gängigsten medizinischen Therapien zur Behandlung von Endometriose Nebenwirkungen haben, die ihre langfristige Anwendung einschränken. Gleichzeitig können auch chirurgische Behandlungen keine langfristige Linderung bringen. Deshalb ist es wichtig, weiter nach sicheren und wirksamen Langzeitbehandlungen zu suchen.

Ausblick

Im nächsten Teil dieser Serie widmen wir uns dem Wirkmechanismus der Endometriose und der Rolle des Endocannabinoid-Systems als neues Therapieziel.

1 —
Arafah, M., Rashid, S., & Akhtar, M. (2021). Endometriosis: A Comprehensive Review. Advances in Anatomic Pathology, 28(1), 30–43.

2 —
Brandes, I., Kleine-Budde, K., & Mittendorf, T. (2009). Krankheitskosten bei Endometriose.

3 —
Mechsner, S. (2021). Management of endometriosis pain: Stage-based treatment strategies and clinical experience. Schmerz, 35(3), 159–171.

4 —
Mehedintu, C., Plotogea, M. N., Ionescu, S., & Antonovici, M. (2014). Endometriosis still a challenge.

5 —
Nezhat, C. H. (Ed.). (2020). Endometriosis in Adolescents. Cham: Springer International Publishing.

6 —
Oppelt, P., Chavtal, R., Haas, D., Reichert, B., Wagner, S., Müller, A., Lermann, J. H., & Renner, S. P. (2012). Costs of in-patient treatment for endometriosis in Germany 2006: an analysis based on the G-DRG-Coding. Gynecological Endocrinology, 28(11), 903–905.

7 —
Taylor, H. S., Kotlyar, A. M., & Flores, V. A. (2021). Endometriosis is a chronic systemic disease: clinical challenges and novel innovations. The Lancet, 397(10276), 839–852.